Weihnachten im Westen

Nachdem ich jahrelang „Weihnachten im Osten“ gelesen hatte, fand ich, dass es den westdeutschen Gegenpol braucht, weshalb dieser Text entstand. Auf Grund seiner Länge, hat er es aber nie als Kolumne in die Blitz! geschafft, weshalb er auch in keinem meiner Bücher zu finden ist. Aber jetzt hier…

Weihnachten wird auch im Westen am 24. Dezember gefeiert, was mich anfangs  überrascht hat. Hatten wir etwa neben dem Ampelmann, dem grünen Pfeil und Angela Merkel noch etwas in die neue Welt mitnehmen dürfen? Nein, natürlich nicht!

Heute weiß ich, dass man dieses Fest im Westen schon immer am 24. Dezember, dem Heiligen Abend feiert.

Was ist das eigentlich für eine Gesellschaft, die einen einzigen Abend im Jahr zum „Heiligen Abend“ ausruft? Ist denen der Rest des Jahres nicht heilig?

Begründung dafür ist die Geburt Christi, was mir aber relativ egal ist. Schließlich habe ich die ganzen Jahre Geburtstage, Todestage und ähnliche Ehrentage von Persönlichkeiten feiern müssen. Ich nenne nur mal Lenin, Marx und Teddy… Nun also noch das Christkind! Apropos…

Mein persönlicher Wessi, also ein Mensch, dem es durch Heirat gelang, unsere ostdeutsche Familie zu infiltrieren, betont jedes Jahr aufs Neue, dass im Westen nicht der Weihnachtsmann sondern das Christkind kommt.

„Na und“, sage ich dann auch jedes Jahr, „Hauptsache er, sie oder es bringen Geschenke mit.“ Worauf er immer resignierend feststellt, dass wir Ossis nur materiell und ans Nehmen denken würden, anstatt uns der Heiligkeit des Tages zu besinnen. Darauf entgegne ich ihm dann, dass wir dadurch an dem einen Tag einfach mal zum Wessi mutieren…

Übrigens höre ich nun schon seit 15 Jahren den Spruch: „Wer Ostern mit den Eiern spielt, hat Weihnachten die Bescherung…“ Darauf habe ich mal erwähnt, dass Klaus Wowereit ja wohl die Ausnahme sei… was  einen rassistischen Exkurs über die Abnormität von „beschissenen Schwuchteln“ zur Folge hatte.

Als ich ihn darauf hinwies, Weihnachten sei auch ein Fest der Vergebung und der Toleranz, war es bei ihm aus und er setzte einen großen Anti-Toleranz-Kochtopf an, in den er alles reinschmiss: Schwule, ist klar, Lesben, Atomkraftgegner, Grüne allgemein und Trittin besonders, die Araber und Bayern München.

Vielleicht sollte ich hier strafmildernd anmerken, dass er aus dem Hunsrück stammt, wo sich fast alle Männer erschrocken umschauen, wenn man mal aus Spaß laut „Papa“ ruft…

Das Schenken ist so eine Sache. Früher hat man sich etwas gewünscht, von dem man hörte, dass es so etwas geben soll, und der andere hatte die Aufgabe, das zu besorgen. Das war zwar nicht einfach und zog allerhand Tauschgeschäfte nach sich, aber man hatte ein klares Ziel! Das war noch echte Herausforderung und am Ende konnte man hoffen, zu den ganz Wenigen zu gehören, die dies oder jenes besorgt hatten.

Der Beschenkte wiederum gehörte dann zu den ganz Wenigen, die es besaßen.

Und heute? Im Prinzip könnte sich jeder sein Zeug selbst kaufen, weil es keine Kunst mehr ist, es zu bekommen. Egal, was sie schenken, ob Herrnhuter Sterne, Pyramiden oder Räuchermänner… Gibt es alles! Apropos Räuchermänner.

Neben den chinesischen Räuchermännern gibt es noch die aus dem Erzgebirge. Die erkennt man an den klassischen Motiven, wie der Köchin, den Jäger oder den Schornsteinfeger. Aber auch an aktuellen regionalen Motiven, z.B. seit 2002 den FLUTHELFER. Dieses Jahr kommt noch der HOLZMICHL dazu. Allerdings gehen nicht alle aktuellen Motive, denn Milbradt-Räuchermänner dürften genauso schlecht zu verkaufen sein, wie der auf dem Arafat-Sarg-reitende-Palästinenser-Räuchermann.  Mein Geheimtipp für 2006 ist in diesem Zusammenhang Angela-Die Räucherfrau!

Zum Glück sorgen sich Politik und Wirtschaft darum, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich kaum noch etwas leisten können, so dass man zwar nicht mit Mangelware, aber wenigstens mit teuren Geschenken angeben kann. Dummerweise gibt es aber Geschenke, denen sieht man den Preis nicht an, weshalb man den Wert darstellen muss…

Zum Beispiel bei einem Winter-Daunen-Step-Bett… Mit 100% Gänsefederdaunen… handgezupft… Daunen… von glücklichen kanadischen Gänsen die nur an der frischen Luft der Rocky Mountains gelebt haben… manche Gänse wuchsen sogar zweisprachig auf… praktisch franco-kanadische Gänse… Wissen Sie, was das kostet?

Wissen Sie, wie das ist, wenn man dafür ein normales „Danke“ hört? Eigentlich sollte man so etwas nur Menschen schenken, die sich damit auskennen, oder man sollte das Preisschild dran oder beiläufig den Prospekt liegen lassen…

Noch schlimmer ist das mit Kindern, besonders denen im Lego-Alter. Dummerweise sind alle Kinder im Lego-Alter.

In der Regel bekommt man vom Kind die aktuell wichtigen Lego-Nummern zugespielt, dann geht man los und holt das. Die Verkäufer wissen Bescheid, sagen Sie nur die Nummer und fragen Sie nicht nach dem Preis. Und wehe, wenn Sie an dem Gesetz etwas ändern… Ich habe mal einen Verrückten gekannt, dem war der Wahnsinn zu teuer… Der hat seinem Kind tatsächlich zu erklären versucht, dass der Weihnachtsmann gesagt hätte, zwanzig verschiedene Lego-Baukästen würden reichen, um alles mögliche zu bauen und im Einundzwanzigsten sei nichts drin, was er nicht schon hätte. Dafür hätte ihm der Weihnachtsmann aber die Hörkassette mit Weihnachtsliedern geschenkt… Das hatte zur Folge, dass der vermeintliche Weihnachtsmann kurz darauf von einer unbekannten Jugendgang verprügelt wurde und der verrückte Vater nach einem falschen anonymen Hinweis als Terrorverdächtiger verhaftet wurde…

Weihnachten erkennt man auch daran, dass sich im Fernsehen die Spendenaufrufe häufen. Mitunter hat man dann so viele Spenden-Telefon-Nummern konsumiert, dass man diese kaum noch von den Gewinnspiel-Telefonnummern unterscheiden kann, was gelegentlich zu Missverständnissen führt. Ich wollte mal telefonisch eine Million Euro gewinnen, weil ich wusste, dass der Fußball-Club nicht Rot-Weiss-Trinken, sondern Rot-Weiss-Essen heißt… Und am Telefon meldet sich die Welthungerhilfe! Da wird man doch sauer!!

Besonders ergreifend finde ich, wenn sich Millionäre aus dem Showbusiness persönlich ans Spenden-Telefon setzen oder das Opfer bringen, ein Lied zu singen, um damit möglichst viel Gutes zu tun. Bei vielen würde es eigentlich genügen, wenn sie nicht mehr im Fernsehen auftreten…

Da man im Westen gern die christlichen Werte des Festes würdigt, unter dem Motto „Weihnachtskrippe statt Kinderkrippe“, kommen abends zur besten Familienfernsehzeit auch nur Dinge, die ein positives Gefühl hinterlassen, in denen das Gute gegen das Böse siegt.

Zum Beispiel „Terminator“, „Rambo“ oder „Stirb langsam 1 – 6“. Zur Wiedergutmachung sendet man dann morgens stundenlang Gottesdienste… Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal nach Aurora Lacasa, Frank Schöbel, ihren zwei reizenden Töchter und „Weihnachten in Familie“ sehnen würde. Gut, bei den Töchtern war das schon eher vorstellbar…

Um ehrlich zu sein, Weihnachten ist doch nur noch eine heilige Konsumschlacht, mit erhöhtem Stressfaktor für die, die sich Gäste einladen und am häufigsten hört man den Spruch: Ich bin froh, wenn es vorbei ist.

Darum mein Vorschlag: Kaufen Sie ihre Geschenke kurz nach dem Fest, Anfang Januar, da purzeln die Preise, lassen Sie die zu Hause bis Ende August liegen, denn ab da gibt es die Schokoladenweihnachtsmänner und Lebkuchen. Dann laden Sie ihre Lieben zum Grillen ein und können sich in kurzen Hosen, bei einem kühlen Bier an einem lauen Spätsommerabend in Ruhe unter dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel die Geschenke überreichen.

Und das Schönste daran, bei dem herrlichen Wetter kann Ihnen das Fernsehprogramm auch völlig egal sein.

Frohes Fest!!

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